Borsfleth | Die Gemeinde Borsfleth hatte im Jahr 2000 noch 865 Einwohner. 2018 waren es nur noch 717. Die Prognose geht für das Jahr 2030 von 600 Einwohnern aus. Um diesem Trend entgegen zu steuern, und um sich als Gemeinde zukunftsfähig aufzustellen, hat die Gemeindevertretung ein Ortsentwicklungskonzept in Auftrag gegeben.

Auftaktveranstaltung

Zur Auftaktveranstaltung im Gemeindehaus begrüßte Bürgermeister Peter Mohr 60 Einwohner. Es wurden Ideen gesammelt zu Zukunftsthemen, die auf Moderationswänden festgehalten wurden. Mohr nannte zwei Schwerpunkte für das Konzept: „Wie können wir die negative demographische Entwicklung stoppen und wo wollen wir in zehn Jahren dastehen?“ Auf der Grundlage der Ideensammlung und deren Analyse soll die Machbarkeit geprüft werden, um daraus ein Konzept zu entwickeln, das als roter Faden der zukünftigen Gemeindepolitik dienen soll.

Fachliche Unterstützung

Fachliche Unterstützung hatte sich die Gemeinde vom Büro für Regionalentwicklung „Region Nord“ aus Itzehoe geholt. Mit Katharina Glockner, Imme Lindemann und Olaf Prüß standen drei Planer bereit, die in das Thema einführten und die Gruppenarbeiten moderierten. Glockner beschrieb die Aufgabe: „Warum hat die Gemeinde Einwohner verloren? Welche Strukturwandel werden kommen? Wie können die Themen Wohnen, Mobilität, Gemeinschaft, Ortskerngestaltung und Lebensmittelversorgung vor Ort gestaltet werden?“ Prüß gab als Input für die Gruppenarbeit noch einen Blick mit den Megatrends von außen. „Die klassischen Familienverbände lösen sich zunehmend auf. Die Ressourcen werden wertvoller und wir müssen nachhaltiger wirtschaften. Die Zentralorte bleiben stabil, aber die ländlichen Gebiete ohne Einrichtungen der Daseinsvorsorge werden verlieren. Durch den Bevölkerungsdruck aus Hamburg kann die Stör eine neue Grenze für das Wohnen auf dem Land und das Arbeiten in der Großstadt werden.“

Ältere Bürger ziehen weg

Anhand der Alterspyramide von Borsfleth analysierte er, dass die Gruppe der 50- bis 60-Jährigen gewachsen ist, es aber weniger junge und auch ältere Einwohner gibt. „Die über 65-Jährigen sind teilweise weggezogen. Diesen Trend sollten wir stoppen, denn der Ort hat mit seinem gewachsenen Ortskern und seiner Lage an Elbe, Stör und Kremper Au genügend Potenzial für Lebensqualität.“ Anschließend ging es um Visionen für Borsfleth im Jahr 2030. Durch das Aufkleben von Punkten wurde die Dringlichkeit des Handlungsbedarfes ermittelt. Eine der genannten Ideen: die Senioren stärker in die Kinder- und Ferienbetreuung mit einzubinden oder die Nachbarschaftshilfe und das Ehrenamt zu stärken.

Viele gute Ideen

Katharina Glockner war mit dem Ergebnis zufrieden: „Das lief hier fast von allein. Es gab gute Gespräche und viele gute Ideen.“ Nach der Auswertung der Stellwände und der Karten wird es erste Analysen mit den Gemeindevertretern geben und am 17. März einen öffentlichen Zukunfts-Workshop, auf dem ausgewählte Handlungsfelder weiter vertieft werden sollen.

Im Sommer soll das Ortsentwicklungskonzept fertig sein und danach von der Gemeindevertretung beschlossen werden. Mit dem Konzept können auch öffentliche Fördermittel beantragt werden, um anstehende Projekte finanzieren zu können.

– Quelle: https://www.shz.de/27011882 ©2020