Borsfleth | „Der Ort ist eines der schönsten Dörfer im Kreisgebiet – durch seine Lage an der Stör und der Elbe und seine ortsbildprägenden Gebäude mit Charakter.“ So beschrieb Olaf Prüß vom Planungsbüro „Region Nord“ aus Itzehoe die Ausgangslage für die Entwicklung eines Ortsentwicklungskonzeptes für das Marschendorf. Aber wo steht der Ort in zehn Jahren und welche Herausforderungen müssen bis dahin angepackt werden? Mit diesen Fragen beschäftigte er sich zusammen mit seiner Kollegin Imme Lindemann. Beide stellten die Ergebnisse nach mehr als einjähriger Arbeit jetzt öffentlich vor.

Viele Einwohner hatten sich konstruktiv daran beteiligt und in Zukunftsworkshops und Online-Umfragen mitgearbeitet. In der Bestandsaufnahme wurden Schwächen benannt wie der Einwohnerverlust, die Verschlickung der Häfen und die verkehrliche Anbindung. Aber auch die Stärken mit dem historischen Ortskern, der Kinderbetreuung, der Gastronomie und dem intensiven Gemeinschaftsleben wurden herausgestellt. Letztlich hat das Büro, aufbauend auf den Zielen der Gemeindeentwicklung (Erhaltung des Marschendorfcharakters und die Sicherstellung der Teilhabe für alle Generationen) 15 Maßnahmen und Projekte formuliert.

Imme Lindemann unterteilte sie in Maßnahmen zur Ortsgestaltung und den eher weicheren Projekten zur Förderung der Gemeinschaft und Teilhabe. Dabei wurden ganz konkrete Maßnahmen benannt, um die Wohnqualität aufzuwerten. Olaf Prüß schlug zur Optimierung des historischen Ortskerns vor, zusätzliche Parkplätze mit einer E-Ladesäule zu schaffen, das Gehwegenetz zu schließen und den Pastoratsgarten teilweise als öffentliche Parkanlage herzurichten. Auch eine zusätzliche Brücke über die Kremper Au kann den Ortskern aufwerten.

Olaf Prüß: „Ein besonderes Problem ist das ortsbildprägende und denkmalgeschützte Gebäude gegenüber der Gaststätte in der Dorfstraße 1, das ungenutzt zunehmend verfällt. Hier fehlt uns ein Investor, der unter Erhalt des Hauscharakters einen Umbau mit vier bis sechs Wohnungen realisiert.“ Zum ersten Mal in Schleswig-Holstein wurde in ein Ortsentwicklungskonzept der Erhalt von ortsprägenden Gebäuden aufgenommen. Es haben sich 18 Hauseigentümer gemeldet, die ihre vor 1945 erbauten Gebäude ertüchtigen wollen. Prüß: „Das ist eine Erfolgsgeschichte, denn nach den ersten Architektenentwürfen könnte ein Investitionsvolumen von 1,8 Millionen Euro generiert werden, das mit 45 Prozent aus Bundes- und Landesmitteln bezuschusst wird.“

Imme Lindemann stellte die Aufwertung des Gemeindezentrums vor, die Einstellung einer Dorfkümmerin, die Verbesserung der Versorgungssituation und altersgerechtes Wohnen in der Gemeinschaft. Durch Klebepunkte konnten die teilnehmenden Einwohner ihre Lieblingsprojekte bewerten. Dabei stand die Gestaltung des Ortskernes ganz oben an. Imme Lindemann appellierte am Ende der Präsentation an die Bürger: „Setzen Sie Segel und nutzen Sie das Ortsentwicklungskonzept, um das Leben in Borsfleth noch schöner zu machen.“

Bürgermeister Peter Mohr zeigte sich von der Arbeit der Planer begeistert:

Es hat Spaß gemacht, wie engagiert das Konzept zusammen mit den Bürgern entwickelt wurde. Der Verkauf unseres Baugebietes entwickelt sich gut und ich bin sicher, wir bekommen von den vorgestellten Ideen bestimmt viel auf die Reihe.

Peter Mohr

– Quelle: https://www.shz.de/29799147 ©2020