GESCHICHTE BÜCHEREI BORSFLETH

                          

 

                               „Die Schülerbibliothek erhielt von dem Gemeinnützigen Verein einen Bibliothekpreis von 50 M, ebenfalls die hiesige Volksbibliothek von der königlichen Regierung 50 M; die Gemeindevertretung bewilligte für letztere eine gleiche Summe. Auch durch Einrichtung von 3 Lesezirkeln (à 12 Mitglieder) vonseiten des Gemeinnützigen Vereins wurde für guten Lesestoff gesorgt.“

 

Eine Schülerbibliothek gab es aber laut Schulchronik schon 1894, so schreibt der Lehrer Trenckner: Da „…wurde uns für die hiesige Schülerbibliothek vom gemeinnützigen Verein des Kreises Steinburg ein Buch „Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71“ v. J. Scheibert geschenksweise überwiesen, was hiermit dankend anerkannt wird.“

Die Bücherei wurde 1950 durch die Landesbücherei in Rendsburg reorganisiert. Seitdem wurde sie von dem Verein für das Büchereiwesen auf Grund eines Vertrages überwacht und laufend erweitert. Der Buchbestand betrug z.B. 1959  690 Stück.

Um flexibler und schneller in der Beschaffung zu sein und auch wegen der doch verhältnismäßig hohen Beiträge löste sich die Gemeindebücherei zum 31.12.1995 von der Rendsburger Büchereizentrale bzw. vom Schleswig-Holsteinischen Büchereiverein.

Der Buchbestand betrug am 26.02.2002  2968 Bücher.

Die Bücherei war von 1950 – 1973 in der neuen Schule (Rotdornallee) untergebracht. Nach der Schließung der Schule zog die Bücherei an ihren heutigen Standort in die ehemalige alte Schule, das jetzige Gemeindehaus.

 

Die Bücherei ist dienstags von 14.00 – 16.00 Uhr und von 19.00 – 19.30 Uhr geöffnet. In den Schulferien bleibt sie geschlossen.

 

 

Büchereileiter (soweit noch ermittelbar):

Solange die Schule bestand (bis 31.07.1973), wurde die Bücherei meistens vom jeweiligen Schulleiter betreut:

 

                        - Klaus Bielenberg                           1903 – 1932

                        - Arnold Hadenfeld                         1932 – 1939

                        - Hartwich/Renz/Möser(?)               1939 – 1951

                        - Renz/ Adloff                                1951 – 1963

                        - Hans-Joachim Mester                     1963 – 1993

                        - Traute und Michael Boldt                1993

In der Borsflether Zeitung Nr.12 (Frühjahr 1983) schreibt der damalige Bücherei- und ehemalige Schulleiter Hans-Joachim Mester:

 

GEMEINDEBÜCHEREI  BORSFLETH

— Was ist das eigentlich? — Da stehen im Gemeindezentrum sieben mit Büchern gefüllte Rollschränke, etwa 830 Bände für Erwachsene, etwa die gleiche Anzahl für Kinder; lustige Romane, spannende Erlebnisberichte, fesselnde Krimis, interessante Lebensläufe, nützliche Beschreibungen unserer Heimat, nachdenklich machende Erzählungen über Schicksale in vergangener oder aus unserer Zeit, Abenteuer in fremden Ländern, Darstellungen friedlicher und kriegerischer Zeitläufe, Besinnliches und Aufregendes für die Großen — oder Bilderbücher für die Krabbelkinder, Bildergeschichten für die Vorschüler, Bücher für die Erstleser — in Schreibschrift oder Großdruck —‚ Abenteuer von Kindern für Kinder von Pippi Langstrumpf bis Robin Hood, Indianer, Cowboys, Pferdenarren, Jungdetektive und... und... und... — das ist die GEMEINDEBÜCHEREI  BORSFLETH.

Außerdem - die GEMEINDEBÜCHEREI  BORSFLETH ist ein Unikat, ein Einzelstück! Zumindest im Kreise Steinburg. Früher gab es einmal 310 Gemeindebüchereien im Landesteil Holstein. Als die Dorfschulen vor zehn Jahren geschlossen wurden, öffneten sich fortan die Rollschränke der Büchereien in den kleinen Gemeinden auch nicht mehr. Leser wurden nur noch in Unter-, Mittel- und Oberzentren bedient. Dafür wollte man die kleinen Gemeinden mit Fahrbüchereien versorgen, wie es schon seit einem Jahrzehnt im Landesteil Schleswig geschah. Nun kostet so eine Fahrbücherei in der Anschaffung nur etwa 600 000 DM — ja, Sie lesen richtig, da ist keine Null zuviel! — und erfordert jährliche Betriebskosten von etwa 150 000 DM. Und für unseren Landesteil Holstein würden 18 Fahrbüchereien nötig sein, um auch die Kleinen versorgen zu können. Es gibt inzwischen elf dieser Fahrzeuge. Doch die restlichen Bücherbusse werden noch sehr lange auf sich warten lassen; in den nächsten zehn Jahren wird man Mühe haben, den vorhandenen Bestand zu halten. Dank glücklicher Umstände und einem einsichtsvollen Gemeinderat schloss Borsfleth einen besonderen Vertrag mit der Bücherei-Zentrale Holstein, so dass die Existenz unserer Bücherei gesichert blieb. (Wir erhalten zur Bestandspflege etwa 1300 DM im Jahr, die zu 50 % von der Gemeinde, zu 25 % vom Kreis und zu 25 % vom Land aufgebracht werden.) Das ist einmalig im Kreis Steinburg und sehr selten im Landesteil Holstein.

Danach wurde eine Einrichtung unseres Dorfes erhalten, deren Ursprünge in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg liegen. Noch stehen Bücher in unseren Regalen, die von der „Volksbücherei Borsfleth“ beschafft wurden. Nach dem 2. Weltkrieg konnte man bei Herrn Renz, später bei Herrn Adloff und seit 1963 bei dem Schreiber dieser Zeilen Bücher entleihen, immer am Dienstag, derzeit zwischen 14.00 Uhr und 15.30 Uhr sowie von 19.00 Uhr bis 19.30 Uhr.

Aber – die GEMEINDEBÜCHEREI BORSFLETH ist zurzeit ein wenig zum Dornröschen verkümmert. Als wir noch eine Schule im Dorf hatten, waren die Schüler diejenigen, die an jedem Dienstag auf die Öffnungszeiten hingewiesen wurden. Sie kamen, holten sich Bücher und nahmen für Eltern, Nachbarn und Freunde Bücher mit, jede Woche. Heute haben wir zwar auch noch Leser vom Kornmandantengraben in Glückstadt bis nach Fiefhusen, aber im Dorf nur noch von Johanna Eckmann bis Heike Plessen! Die direkten Ansprechpartner fehlen, die Schüler, aber wir können nicht in jeder Woche Werbekarten in jeden Briefkasten stecken. Auch das miese Fernsehprogramm der letzten Monate zeigte keine Wirkung. Dabei kann man ein Buch doch aus der Hand legen und wieder vor die Augen halten, wenn man Lust dazu hat und muss sich nicht an Sendezeiten halten, die außerdem ständig umgestoßen werden, weil ein »Fernsehschaffender« zur letzten Ruhe gebettet wurde...

Eigentlich ist also die GEMEINDEBÜCHEREI BORSFLETH heute ein Schatz, der etwas abseits liegt und nur von Kennern genutzt wird. Und dabei liegt er überhaupt nicht in der Abseite, sondern im Gemeindehaus im Versammlungsraum und ist an jedem Dienstag in der Zeit von 14.00 Uhr bis 15.30 Uhr sowie von 19.00 Uhr bis 19.30 Uhr jedem zugängig — kostenlos!

Die Gemeindebücherei ist 1903 als Volksbibliothek mit einem

Leseraum von dem damaligen Lehrer Klaus Bielenberg in

Zusammenarbeit mit dem Gemeindevorsteher Augustin                gegründet worden.  So schreibt Bielenberg 1903 in der  Schulchronik: