Verlathschleuse

Über Kremper Au und Verlathschleuse wird das Niederschlagswasser von ca. 1400 ha aus dem Raume Brande-Hörnerkirchen, Bokelseß und Hohenfelde bis zur Stör abgeführt. Die Schleuse hat ihren Namen von „verlaten“ = „verlassen, herauslassen“, nämlich von Wasser aus der Au. Direkt vor der Schleuse im Stördeich entwässert das Gebiet Büttel Ivenfleth mit 134 ha in das Schleusenbecken und wird damit zu einer Binnenschleuse. Außerdem war die Kremper Au bis weit in das 20. Jahrhundert bis Krempe ein wichtiger Verkehrsweg, da die Straßen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch überwiegend unbefestigt und im schlechten Zustand waren.

Im Hafenbecken bzw. in der Schleusenkammer entstand ein Lösch- und Ladeplatz. Von denen gab es mehrere bis Krempe (Baugeschäft, Mühle/Landhandel, Lederwerke u.a.) Die Schifffahrt war durch entsprechende Polizeiverordnungen geregelt. So gab es z.B.in der Zeit vom 13.03.1901 bis zum 09.12.1901 913 Durchschleusungen. Hinsichtlich der Wartung und Bedienung der Schleuse wird eine ausführliche „Instruktion für die Aufseher der Borsflether Schleuse“ im Jahre 1801 erlassen, die immer wieder denjeweiligen Verhältnissen angepasst wurde. Aufseher war meistens der Wirt der an der Brücke liegenden Wirtschaft „Zur Verlathschleuse“.

Entstehungsgeschichte der Verlathschleuse:

Nach der Anlage des Steindammes 1636, der nach den Erfahrungen der Sturmflut von 1634, eine Hochwasser unabhängige Verbindungen der Festungen Glückstadt und Krempe gewährleisten sollte, ist gleichzeitig mit der Querung die Kremperau in Krempdorf (Bei der Wirtschaft „Springhirsch“) abgeschleust worden.

Diese „Verlathschleuse“ wurde als Sturmflutschutzschleuse gebaut, so dass die oberhalb liegenden Audeiche Sturmflutangriffen nicht mehr direkt ausgesetzt waren und um eine Überschwemmung der niedrig liegenden Steinburger und Hohenfelder-Niederreiher Ländereien zu verhindern. Das war allerdings eine schwere Beeinträchtigung der Schifffahrt nach Krempe, weil nur noch verhältnismäßig kleine Schiffe die Schleuse passieren konnten (Breite der Schleusendurchfahrt 4,06 m). Außerdem bewirkte die Verlathschleuse einen Anstau der Sturmfluten, den die unterhalb liegenden und unverändert gebliebenen Audeiche nicht standhalten konnten.

Es kam hier in Folge zu mehreren Deichbrüchen (1661, 1663, 1715, 1720). Hier waren vor Allem Borsfleth und Teile von Krempdorf betroffen. Nach langem hin und her entschloss man sich 1758, nach der schweren Sturmflut von 1756, die Verlathschleuse an die Stelle der Aubrücke (Klappbrücke) in Borsfleth zu verlegen, indem man zugleich die bis dahin fehlende Verbindung zwischen dem Borsflether und dem Ivenflether Stördeich herstellte (Breite der Schleusendurchfahrt 4,65 m). Hier blieb sie bis 1907. Da entschloss man sich eine neue Verlathschleuse etwa 80 m stromabwärts zu errichten – die jetzige Verlathschleuse. Dabei entstand das Hafenbecken.

Bei der Verlegung der Schleuse waren folgende Gesichtspunkte maßgebend:

  • Der durch die alte Au bedrohte Deichfuß des Stördeiches in 200 m Länge zunächst der alten Schleuse wird ausgeschaltet;
  • Der Bau kann ohne künstliche Abdämmung, ohne Gefährdung der Marsch während der Bauzeit und mit weniger Störung für die Schifffahrt und Entwässerung ausgeführt werden, wie an alter Stelle;
  • Die Büttel-Ivenflether Schleuse wird durch die Verlegung des Deiches zu einer Binnenschleuse;
  • Die spitze Biegung in der alten Au bei der sog. Schweinsbrücke fällt weg;
  • Es wird ein Lösch- und Ladeplatz geschaffen (s.o.), der für die Marsch bisher als dringendes Bedürfnis empfunden wurde. Die neue massive Brücke am Dorfeingang wird mit Toren versehen, um das Flutwasser in dem neuen Hafenbecken aufstauen zu können, zur Entlastung der Hauptschleuse.

Die Schleuse, von 60 Arbeitern gebaut, wurde am 3. August 1907 eingeweiht und hat sich mit einigen Umbauten bis heute bewährt.

Baubeschreibung: 

Das Gesamtbauwerk „Verlathschleuse“, erbaut von der Borsflether Firma Peters, besteht aus der in massiver Klinkerbauweise ausgeführten Deichschleuse und einem Brückenbauwerk für die Einfahrtstraße in das direkt dahinter liegende Kirchdorf. 1965 erfolgte im Zuge des Ausbaues des Hafenbeckens (Schleusenkammer) der Einbau eines sturmflutsicheren Rollschützes an der Innenseite der Deichschleuse als doppelte Deichsicherung.

Die Deichschleuse ist 4,60 m breit, liegt mit der Sohle 0,60 m über Niedrigwasser in Glückstadt und ist 2,52 m im Lichten hoch. Sie hat außen Fluttore und binnen am Brückenbauwerk ein Schütz zum Aufstauen des Oberwassers.

Beide Schleusen sind mit verschließbaren Umlaufkanälen versehen, damit auch die Entwässerung der Marsch bei Eis im Winter, wenn mitunter wegen des Frostes die Tore nicht geöffnet werden können, stattfinden kann.

1994 wurde das gesamte Brückenbauwerk umfangreich saniert.

Anlässlich zur 700 Jahr Feier der Gemeinde Borsfleth, wurde die Zeit zurückgedreht und die Schleuse wurde für die Schifffahrt  wieder geöffnet.

Literatur: 

  • Festschrift 1955-1980, 25 Jahre Deich- und Hauptsielverband Krempermarsch
  • Boldt, Michael: Eine Schleusenfeier 1907 in Borsfleth in Steinburger Jahrbuch 2016
  • Boldt, Michael: Quellen zur Geschichte der Borsflether Verlathschleuse und Brücke, in: Archiv für Agrargeschichte der holsteinischen Elbmarschen 3-1984
  • Festschrift 1966-1991, 25 Jahre Wasserverband Kremper Au
  • Lorenzen-Schmidt, Dr. Klaus-Joachim: Geschichte des Kirchspiels Borsfleth, 1987
  • Kokemüller, Werner: Bericht zur Borsflether Segelschiffahrt 1830-1936, Borsfleth 1978
  • Bielenberg, Klaus: Das Entwässerunswesen in Heimatbuch des Kreises Steinburg, hrsg. v. Kreisausschuß des Kreises Steinburg, Band 2
  • Fischer, O.: Elbmarschen, Berlin 1957 (Das Wasserwesen an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste, 3. Teil: Das Festland, Band 6)

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